MEINUNG

Genug ist genug, Herr Bildungsminister!

Offener Brief an Minister Faßmann

Das System der Deutschförderklassen funktioniert nicht. Schulleitungen, Lehrpersonal und auch die betroffenen Eltern sowie Kinder sprechen sich klar und deutlich gegen die Deutschförderklassen aus. Auch die derzeit vorhandenen Studien und Forschungsarbeiten zeigen, dass Deutschförderklassen nicht der richtige Weg sind, um Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache die dringend benötigte Unterstützung für den Spracherwerb zukommen zu lassen. Diese Kinder brauchen eine adäquate Deutschförderung, das steht außer Streit, aber das wird sicherlich nicht funktionieren, indem man sie in eigene Klassen steckt, ihre Perspektiven verbaut und ihnen verwehrt, von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu lernen. Sie gehören auch keiner Klassengemeinschaft an, sie werden als Fremdkörper in der Schule behandelt und haben keine Chance, die vorhandenen Defizite zu kompensieren. Das System der Deutschförderklassen ist an der Realität gescheitert. Nun aus politischen Überlegungen heraus an einem System festzuhalten, das nicht funktioniert, ist alles andere als fair gegenüber den betroffenen Kindern, die unter diesem System nachhaltig leiden.

Die parlamentarische Bürgerinitiative, die wir initialisiert haben, ist ein guter Anlass, um auf politischer Ebene das System der Deutschförderklassen zu diskutieren und zu hinterfragen. Reden Sie mit den Direktorinnen und Direktoren, reden Sie mit dem Lehrpersonal und – vor allem – reden Sie mit den betroffenen Kindern und Familien, Herr Bildungsminister. Alle werden Ihnen bestätigen, dass dieses System nicht funktioniert. Über 11.000 Menschen haben die Online-Petition zur Abschaffung von Deutschförderklassen unterzeichnet und fast 6.000 Menschen unterstützen die parlamentarische Bürgerinitiative, die von uns initiiert wurde und aktuell im Petitionsausschuss zur Diskussion steht. Hören Sie auf, über die Köpfe der betroffenen Kinder hinweg, ein System künstlich am Leben zu erhalten, das gescheitert ist.

Die COVID19-Pandemie hat die Situation nochmals verschärft und viele der betroffenen Kinder wurden in dieser Zeit im Stich gelassen. Es wird eine große Herausforderung sein, die Defizite, die durch die Schulschließungen und das Distance-Learning zu Tage getreten sind, zu kompensieren. Gerade bei jenen Kindern, bei denen zuhause die Rahmenbedingungen nicht optimal sind, ist es wichtig, dass wir die Schräglage zu Lasten dieser Kinder ausgleichen, statt sie weiter zu verstärken. Diese Kinder haben es nämlich verdient, in echte Klassen zu gehen, echte Zeugnisse mit echten Noten zu bekommen und nicht zuletzt eine echte Chance auf eine erfolgreiche Zukunft zu erhalten. Das sind wir diesen Kindern als Bildungssystem und auch als Politik schuldig. Und die Betroffenen möchten keine abgehalfterten politischen Floskeln als Ausrede hören, sie wollen inhaltliche Argumente, weshalb an diesem kaputten System festgehalten wird, wenn alle Beteiligten der Meinung sind, dass die Deutschförderklassen unsere Kinder nicht fördern, sondern vielmehr hindern.

Herr Minister, ziehen Sie endlich die Reißlinie und beenden Sie die Segregation und Diskriminierung dieser Kinder. Machen Sie diesem ungerechten und intransparenten System an unseren Schulen ein Ende und schaffen Sie Rahmenbedingungen, die diese Kinder tatsächlich brauchen, um erfolgreich zu sein.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Tarik Mete
Initiator der parlamentarischen Bürgerinitiative
zur Abschaffung der Deutschförderklassen

Die parlamentarische Bürgerinitiative zur Abschaffung der Deutschförderklassen kann auf der Seite des österreichischen Parlaments weiterhin unterstützt werden.

 

ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.